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Kleine Zinne

Art:

Bereich:

Seillängen:

Gestein:

Wandhöhe:

Geklettert:

 

Absicherung:

 

Felsqualität:

Orientierung:

Ausrichtung:

Beste Jahreszeit:

Zustiegszeit: 

Aufstiegszeit:

Abseilzeit:

Zeit insgesamt:

Zustieg:

Anfahrt:

Land:

Ort:

Wetter:

Gruppe:

Koordinaten:

Topo:

Datum:

Zu beachten:

2857m

Bergsteigen

 4+

13

Kalk

290m

Normalweg

 

Kaum, Stand (meist eine Sanduhr) und ab und zu ein geschlagener Haken 

Gut, an der Schlüsselstelle etwas speckig 

Sehr schwierig

SSW 

Juni bis Oktober

1 Stunde  

6 Stunde

2 Stunde

10 Stunde

Von Rifugio Auronzo (2320m)

Rifugio Auronzo 

Italien

Drei Zinnen 

Neblig, heiss, neblig, sehr kalt, immer abwechselnd

Denise, Daniel

 

Bergsteigen.com,  Dolomiten vertikal 4. Auflage

10.10.2018

Klein aber oho, man darf sie nicht unterschätzen.  Wenn man die Orientierung verliert, kann das ein echtes Problem werden 



Seit zwei Tagen logieren wir im Refugio Auronzo und warten auf ein Schönwetterfenster, das gross genug ist um einen zweiten Versuch auf die kleine Zinne zu wagen. Denn bereits 2014 mussten wir wetterbedingt kurz nach der gelben Wand umkehren.

Die Wartezeit nutzen wir und absolvieren zwei der sehr schönen Klettersteige, den Leiternsteig und den

De Luca-Innerkofler-Steig.

 

Auch heute ist kein perfektes Wetter angesagt. Es soll leicht bewölkt sein, aber trocken bleiben. Wir sind auf dem Weg zur Kapelle unterhalb der kleinen Zinne, die Stimmung ist wunderschön (9 Uhr). Im Tal lieg noch dichter Nebel und überall  schauen die Bergspitzen hervor.

 

Beim sehr steilen Aufstieg über das Geröllfeld zum Einstieg kommen wir so richtig ins Schwitzen. Die Sonne brennt erbarmungslos auf uns nieder und ich denke noch: „Das wir heute brutal heiss!“ Sicherheitshalber tragen wir noch etwas mehr Sonnenschutz auf.    

 

Der Einstieg zur Normalroute ist mit einem eingekratzten Pfeil auf dem Fels markiert und leicht zu finden (10 Uhr). Links vom Pfeil in der Rinne klettern wir hoch, dann östlich über das Schuttfeld hoch bis zur Wand. Da sollte hinter einer Schuppe eine Sanduhr sein, unser erster Stand. Trotz suchen finden wir die Sanduhr nicht und improvisieren einen Stand. Die gesuchte Sanduhr finden wir dann doch noch, etwas weiter oben als gedacht (11 Uhr).   


 

In der zweiten Seillänge finden wir die zwei geschlagenen Haken und auch den Stand. Die dritte Seillänge zu finden ist wieder nicht so leicht.

Gestuft geht es über eine Rampe bis zu einem Stand. Von da laufen wir ungesichert in einem Rechtsbogen über das Geröll zur Wand hoch und suchen wieder einmal den Einstieg in die nächste Seillänge. Den finden wir in Form einer Sanduhr etwas weiter oben als gedacht (4SL, 11:40 Uhr). 

Jetzt befinden wir uns in der fünften Seillänge. Links haltend über gestufte Rampe sollte oben ein Stand in Form von einer Sanduhr sein. Den finden wir nicht, vermutlich sind wir diesmal etwas zu weit. Wir improvisieren den Stand an einem der gossen Blöcke. Die sechste Seillänge absolvieren wir in zwei Seillängen, da der Seilzug wegen den grossen Umlenkungen sehr gross wird. 


 

 

Die offiziell 7. Seillänge startet unterhalb der gelben Wand bei einem geschlagenen Haken(7SL, 12:50 Uhr). Die gelbe Wand ist gut sichtbar, da kann man sich orientieren. Links aufwärts an geschlagenem Haken vorbei bis zur gebohrten Sanduhr.    

 

 

 

Mittlerweile ist der Nebel in die Wand gezogen, wir sind schon seit drei Stunden in der Wand und ich friere wie verrückt. Zu diesem Zeitpunkt habe ich grosse Zweifel, dass wir heute auf dem Gipfel sein werden. Bei der nächsten Seillänge haben wir 2014 den Rückzug angetreten. Einerseits bin ich erleichtert zu wissen, dass ein Rückzug in der nächsten Seillänge möglich ist, aber auch enttäuscht, wenn wir es wieder nicht schaffen.    

Bei der 8. Seillänge gewinnt man fast keine Höhe, die verläuft links nur leicht ansteigend über sehr schmale Bänder und endet an der Abseilpiste. Da sitze ich nun auf einem Felsvorsprung. Gesichert an dem Abseilring und ziehe alles an was ich dabei habe: Daunenjacke, Goretexjacke, Kappe und Handschuhe. Dann sichere ich die ebenfalls durchgefrorene Denise zu mir. Auch sie sieht so richtig durchgefroren aus. Die Stimmung ist im Keller. Ich helfe ihr so schnell wie möglich in die warmen Kleider und dann picknicken wir auf dem kalten Felsvorsprung.    

Langsam aber sicher wird uns wieder wärmer und wir entschliessen uns weiter zu klettern (8. SL, 14 Uhr). Links von der Abseilstelle steigen wir in die 9. SL, anfangs etwas steiler, dann in einem Rechtsbogen etwas leichter bis zu den grossen Steinblöcken hoch, hinter denen sich der Stand befindet. Jetzt noch eine kurze Seillänge gerade hinauf, auf den grossen Sattel (10. SL, 15 Uhr).

 

Der Nebel hat sich wieder etwas verzogen, die Aussicht von hier oben ist atemberaubend. Wir sind wieder wesentlich zuversichtlicher, als vor einer Stunde. Mit etwas Glück schaffen wir die letzten drei Seillängen auch noch. Obschon uns die Schlüsselstelle noch bevor steht. 

 

 

Hier oben kann man sich nicht mehr verirren, die Route ist hier gegeben und durch das auch leicht abgespeckt. In der zweitletzten Seillänge kurz vor der Schlüsselstelle überlegen wir noch kurz, ob wir hier die Kletterfinken montieren sollen. Entschliessen uns dann aber auch den Rest noch in unseren Bergschuhen zu klettern.    

 

 

 

 

Um 16 Uhr, bei relative gutem Wetter, sind wir überglücklich auf der kleinen Zinne. Rund eine halbe Stunde später machen wir uns ans Abseilen.    

 

 

 

Einmal können wir das Seil nur mit sehr viel Kraftaufwand abziehen und in der zweit letzten Abseilstelle verklemmt das Seil, beim Runterziehen über uns, so dass ich hochsteigen muss um es aus den Steinen zu befreien. Das Abseilen dauerte zwei Stunden, um 18 Uhr stehen wir wieder beim Einstieg. Also benötigten wir vom Einstieg bis zum Ausstieg fast 8 Stunden und insgesamt fast 10 Stunden von der Hütte.

Klettertechnisch ist die Kleine Zinne nicht schwer, wir kletterten alles in den Bergschuhen. Das Problem ist die Orientierung, die Wegfindung und die extrem schnellen Wetterumschwünge. Auch sollte man die kleine Zinne nicht unterschätzen, in Bezug der Gefährlichkeit (Absturzgefahr, Steinschlag, Wetterumschwünge, Hitze, Kälte).    

Im Grunde planten wir heute noch die Heimreise anzutreten, aber da es doch länger gedauert hat als gedacht, übernachten wir noch einmal in der Auronzo Hütte. Auch die letzten zwei Nächte hatten nur gerade mal sechs Personen in der Hütte übernachtet, aber heute sind wir wohl fast die einzigen Gäste, die übernachten. Die Hütte ist nur noch bis Sonntag offen, dann schliesst auch sie. Alle andern Hütten in der Gegend sind bereits geschlossen.    



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