Matterhorn 4478m

Anlässlich der geplanten Matterhornbesteigung, gönnten wir uns eine Zweier-Suite in der nigelnagelneuen Hörnlihütte (die offizielle Eröffnung war am 15.Juli), mit direktem Blick aufs Horu. Dort erfuhren wir, dass es um 3.30 Frühstück gibt und dass wir geweckt würden. Das vergassen sie, wir hörten aber das nervöse Packen der anderen Bergsteiger und machten uns auch auf zum Frühstück. Jetzt kam auch bei uns eine gewisse Hektik auf, denn wir waren praktisch die letzten am Tisch. Um 4.06 Zeit gingen wir los und standen kurze Zeit später zuhinterst in einer langen Kolonne beim Einstieg zum Hörnligat und warteten geschlagene 20 Minuten bis wir endlich an den Fixseilen starten konnten.

Es war jetzt ca. halb fünf  und wir kamen im Dunkeln gut voran, nach dem Einstieg quer über das erste Schuttfeld, in das erste Couloir. Den Weg zu finden war nicht schwer, wir stiegen einfach der Karawane nach, der Weg war von vielen Stirnlampen ausgeleuchtet.  Denise und ich waren am kurzen Seil zu einer Zweier-Seilschaft zusammengebunden, so kraxelten wir immer steil aufwärts den anderen hinterher, wo es ging überholten wir die eine oder andere Seilschaft. Das Niveau von den anderen Bergsteigern war aber deutlich höher als erwartet, alle waren konditionell  gut trainiert. Nur beim Klettern konnten wir unsere Stärken ausfahren, da waren wir deutlich besser als die meisten Gäste der Bergführer.

Je höher dass wir kamen, desto mehr Seilschaften sahen wir vor uns, als die Sonne aufging, waren wir schon unter dem Solvay-Bivak (4000m). Dort kam es erstmals seit dem Einstieg zu einem längeren Stau, wir warteten sicher 20 Minuten bis wir den Einstieg in die obere Moseley-Platte erreichten, der für viele eine echte Herausforderung darstellte, für uns aber kein Problem war. Als wir die Schulter erreichten, entschieden wir uns, auf die Steigeisen zu verzichten.

Kurze Zeit später, bei den Fixseilen gerieten wir aber in den grössten Stau, den zu umgehen uns zu riskant schien. So verloren wir sehr viel Zeit bis wir oben  an den Fixseilen angelangten. Ausserdem kamen uns an dieser Engstelle einige absteigende Seilschaften entgegen, was den Aufstieg noch mehr verzögerte.

Nachdem wir die Fixseile hinter uns hatten, erreichten wir bald den Gipfel, und weil wir uns so gut fühlten, gingen wir auf dem Gipfelgrat noch zum Gipfelkreuz auf dem italienischen Gipfel, wo wir uns noch eine längere Gipfelrast gönnten.

Als wir zurück zum Schweizergipfel kamen, realisierten wir, dass praktisch alle Seilschaften schon auf dem Abstieg waren. Wir beeilten uns, den Anschluss nicht ganz zu verpassen, denn wir wussten, dass die Wegfindung schwierig werden würde.

Es wurde noch schlimmer als erwartet. Wir fanden zwar den Anschluss an eine ukrainische Dreierseilschaft, die zwar ausgezeichnete Bergsteiger waren, aber den Weg auch nicht gut kannten. So gerieten wir immer wieder in Sackgassen und wussten oft nicht, ob wir noch auf dem richtigen Weg waren. Der Weg schien immer länger zu werden, das Biwak kam einfach nicht und die Hütte, die wir immer sahen, kam einfach nicht näher. Ausserdem zogen immer mehr Wolken auf und kamen bedrohlich näher Der Abstieg zog sich in die Länge, so dass wir erst nach 12 Stunden völlig erschöpft die Hütte erreichten. Wir beschlossen, doch noch eine Nacht in der Hütte zu bleiben, da wir wohl die letzte Bahn verpasst hätten.

In der Hütte hatte es kaum mehr Gäste, da auf den nächsten Tag schlechtes Wetter angesagt war. Nur drei russische Familien feierten den Aufstieg der Familienväter, 5 Arbeiter, die nachher noch die ganze Nacht in der Küche arbeiteten, ein paar hoffnungslose Bergsteiger und vier Wanderer waren noch dort. Nach beim Essen sanken wir todmüde ins Bett.

Am nächsten Morgen lag tatsächlich ein bisschen Schnee und es schneite. An einen Aufstieg wäre nicht zu denken gewesen. Wir waren froh, dass wir die Tour einen Tag vorverschoben hatten.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Schwarzsee, wo wir bald schon in der Gondel nach Zermatt schwebten.

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